“Vielfraß…was ist das denn für ein Tier?” fragst du dich vielleicht. Keine Sorge, wir haben die Antwort für dich. Lies dir unseren Vielfraß Steckbrief durch und erfahre alles über das einzigartige Tierchen.
Woher kommt der Vielfraß?
Der Vielfraß gehört zur Familie der Marder und ist der größte landlebende Vertreter dieser Gruppe. Zuhause ist er in den Taiga- und Tundragürteln der Nordhalbkugel: Skandinavien, Finnland, das nördliche Russland und Sibirien sowie Alaska und Kanada.
Und woher kommt eigentlich der kuriose Name? Der stammt aus einer Fehlübersetzung: Das skandinavische „Fjäl-Fräs“ bedeutet eigentlich so viel wie „Felsenkatze“ – im Deutschen wurde daraus der „Vielfraß“. Sein lateinischer Name Gulo gulo hat den gefräßigen Ruf allerdings zementiert, denn er heißt übersetzt “Fresser, Fresser“.
Wie sieht ein Vielfraß aus?
Auf den ersten Blick wirkt der Vielfraß wie ein kleiner, gedrungener Bär – kompakter Körper, breiter Kopf, kurze kräftige Beine. Deshalb nennt man ihn auch Bärenmarder.
- Kopf-Rumpf-Länge: 65 bis 105 cm, dazu ein buschiger Schwanz von 13 bis 26 cm
- Schulterhöhe: nur 36 bis 45 cm – er bleibt also deutlich unter Bärenformat
- Gewicht: Männchen 11 bis 18 kg, Weibchen mit 6 bis 12 kg spürbar leichter
- Fell: dicht und dunkelbraun, oft mit hellem Streifen, der von den Schultern über die Flanken bis zum Schwanz zieht
- Pfoten: auffällig groß und breit – sie wirken wie Schneeschuhe und tragen ihn über tiefen Schnee
Der Vielfraß ist ähnlich groß wie ein Dachs, der Körperbau gleicht sich, nur seine Beine sind länger. Auch der Dachs gehört zur Familie der Marder.
So verhält sich der Vielfraß
Als richtige Einzelgänger treffen sich Männchen und Weibchen nur zur Paarungszeit. Ansonsten gehen sie getrennte Wege. Der Vielfraß ist scheu, verteidigt sein großes Revier aber vehement. Die Grenzen markiert er mit Kot und Urin sowie Duftsekreten. Für den Menschen ist der Vielfraß ungefährlich, denn er ergreift sofort die Flucht.
Er ist tag- und nachtaktiv und folgt einem Rhythmus aus jeweils drei- bis vierstündigen Schlaf- und Aktivitätsphasen. Zum Ruhen legt er Nester aus Gräsern und Blättern in Höhlen und Felsspalten an. Dazu ist er extrem ausdauernd: Bis zu 64 Kilometer am Tag durch Tiefschnee sind für ihn möglich. Und wehrhaft ist er auch: gestört fletscht er die Zähne und geht selbst größeren Gegnern wie Bären oder Wölfen nicht aus dem Weg.
Der Lebensraum
Der Vielfraß lebt dort, wo es kalt und schneereich ist: in der Taiga, im borealen Nadelwald und seltener in der offenen Tundra. Bevorzugt sind Waldgebiete mit felsigen Berghängen, in denen er Verstecke und Wurfhöhlen findet. Er steigt bis weit über die Baumgrenze auf. Sein Verbreitungsgebiet umfasst heute Skandinavien, das nördliche Russland, Sibirien, Alaska und Kanada. Er benötigt riesige, vom Menschen weitgehend ungestörte Wildnisgebiete, um erfolgreich jagen und überleben zu können.
Für den Lebensraum des Vielfraßes gibt es einen entscheidenden Faktor: eine langanhaltende, tiefe Schneedecke bis in den Frühling. Vielfraße nutzen den Schnee, um erbeutetes Fleisch oder Aas zu vergraben und so über Wochen frisch zu halten. Aufgrund des Klimawandels schrumpfen die Gebiete mit ausreichend Frühlingsschnee kontinuierlich, weshalb der Lebensraum des Vielfraßes zunehmend fragmentiert und gefährdet ist.

Was frisst ein Vielfraß?
Trotz seines Namens frisst der Vielfraß nicht auffällig viel – er ist vor allem ein Gelegenheits-Aasfresser. Besonders im Winter und Frühjahr besteht seine Nahrung überwiegend aus Aas: Er findet Kadaver selbst, frisst Reste von Wolfsrissen oder nimmt anderen Beutegreifern die Mahlzeit einfach weg.
Auf dem Speiseplan stehen außerdem:
- Rentiere und Waldrentiere sowie Elch- oder Hirschkälber
- kleine Säugetiere, Hasen, Füchse, Vögel, Lemminge und Frösche
- Beeren, Früchte und Baumtriebe als pflanzliche Ergänzung
- Vogeleier und Larven
Im Vergleich zu seiner Körpergröße ist das Gebiss des Vielfraßes extrem kräftig. Mühelos zerbeisst er gefrorenes Fleisch, um an das Knochenmark zu kommen. Dank seines ausgezeichneten Geruchssinns wittert er selbst Aas, das tief im Schnee begraben wurde.
Die Fortpflanzung
Wie bereits erwähnt, sind Männchen und Weibchen nur in der Paarungszeit zusammen.
- Paarungszeit: Mai bis August
- Die meisten Weibchen sind von Juni bis August paarungsbereit
- Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen
- Weibchen bekommen meist nur alle zwei Jahre Junge
- Verzögerte Einnistung: Die befruchtete Eizelle pausiert im Blastozysten-Stadium und nistet sich erst zwischen Dezember und Februar ein
- Eigentliche Tragzeit: nur 30 bis 40 Tage
- Geburt im Spätwinter in einer Schneehöhle, danach lange Betreuung durch die Mutter
Sinn des Timings: Die Jungen wachsen genau dann auf, wenn Aas aus dem Winter noch verfügbar ist.
Fazit: Überlebenskünstler
Hinter dem kuriosen Namen und dem bärenhaften Äußeren verbirgt sich eines der widerstandsfähigsten Tiere der nördlichen Wildnis: Der Vielfraß meistert extreme Kälte, gewaltige Distanzen und ein Leben als Einzelgänger mit bemerkenswerter Zähigkeit. Seine Existenz ist dabei eng an eine Ressource geknüpft, die zunehmend knapper wird: Frühlingsschnee. Damit steht der Vielfraß sinnbildlich für viele Bewohner kalter Regionen, deren Zukunft direkt vom Klimawandel abhängt.
Ist der Vielfraß gefährdet?
Nein, weltweit gesehen ist der Vielfraß nicht gefährdet. Anders sieht es in einzelnen Regionen aus. In Österreich und Deutschland (Mitteleuropa) ist der Vielfraß ausgestorben. In Skandinavien ist er bereits streng geschützt. Die meisten Bestände gibt es in Russland, gefolgt von Kanada.
Ist der Vielfraß für Menschen gefährlich?
Nein, er ist normalerweise nicht für Menschen gefährlich. Entdeckt er einen, ergreift er sofort die Flucht.
Welche natürlichen Feinde hat der Vielfraß?
Natürliche Feinde hat der Vielfraß kaum. Er ist so wehrhaft, dass er selbst Bären von einem Aas vertreibt. Erwachsene Tiere werden höchstens von einem Wolfsrudel, einem Bären oder einem Puma erwischt. Für die Jungen sind Bären, Luchse, Füchse und Adler gefährlich – aber auch Artgenossen. Die größte Bedrohung ist der Mensch: In Skandinavien gehen bis zu 60 Prozent der Sterblichkeit erwachsener Vielfraße auf illegale Jagd zurück.
Ist der Vielfraß aggressiv?
Ja, der Vielfraß kann aggressiv sein. Vor allem, wenn er sein Revier verteidigt. Menschen gegenüber ist er harmlos, flieht er doch sofort, wenn er einen erblickt.
Wie nennt man den Vielfraß noch?
In erster Linie “Bärenmarder” wegen seines gedrungenen, bärenartigen Körperbaus. Außerdem wird der Vielfraß auch “Gierling” genannt. Auch dieser Name spielt auf die Gefräßigkeit an. Die englische Bezeichnung lautet “Wolverine”.
Wie alt wird ein Vielfraß?
Ein Vielfraß wird in freier Wildbahn etwa 5-13 Jahre alt. Viele sterben allerdings schon mit 5-7 Jahren.






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