Die Biene ist eine der wichtigsten Insekten, trägt sie doch zum Bestäuben von Pflanzen bei. Die Bestäubung ist Voraussetzung, um Früchte und Samen zu bilden. Für viele Pflanzenarten ist das außerdem die einzige Möglichkeit, sich fortzupflanzen. Bienenvölker sind also unverzichtbar in der Natur. Was die kleinen Nützlinge noch so machen, wie ein Bienenvolk funktioniert und mit welchen Herausforderungen die Biene zu kämpfen hat, erfährst du in diesem Beitrag.
Die drei Bienentypen
Ein Bienenvolk besteht aus drei Bienentypen. Jede hat ihre eigene Besonderheit.
- Königin: Pro Volk gibt es nur eine Königin. Sie ist deutlich größer als die anderen Bienen im Stock und die einzige fruchtbare Biene. Sie lebt bis zu fünf Jahre. Ihr Hinterleib ist lang und schlank.
- Arbeiterin: Mit einem überwältigenden Anteil von rund 98 % machen die Arbeiterinnen den größten Anteil des Bienenvolkes aus. Sie sind unfruchtbar. Eine Arbeitsbiene lebt im Sommer nur 4-6 Wochen, da sie die Arbeit regelrecht verschleißt. Winterbienen halten sich hauptsächlich im Stock auf und sterben nach ungefähr 6-9 Monaten.
- Drohne: Die Drohnen sind die männlichen Bienen. Sie schlüpfen aus unbefruchteten Eiern. Der Körperbau ist kräftig. Außerdem haben sie keinen Stachel. Die Drohnen sterben im Schnitt nach 20-50 Tagen.
Aufgaben: so funktioniert das Bienenvolk
Jede Biene hat ihren eigenen Aufgabenbereich im Stock. Die Aufgabe der Bienenkönigin ist das Legen von Eiern. Sie hält das Bienenvolk durch Duftstoffe zusammen. Die Drohnen haben eine einzige Aufgabe: Die Begattung einer jungen Königin beim Hochzeitsflug. Sie sammeln weder Nektar noch Pollen und lassen sich von den Arbeiterinnen füttern. Paaren sie sich, sterben sie. Jene Drohnen, die sich im Winter noch im Stock aufhalten, werden von den Arbeiterinnen vertrieben. Sie sterben draußen in der Kälte.
Die Aufgaben der Arbeiterin sind vielschichtig und je nach Alter immer andere:
- Tag 1–4: Putzbiene – reinigt die Waben
- ab Tag 5–11: Ammenbiene – füttert Larven und Königin, sobald die Futtersaftdrüsen ausgebildet sind
- danach: Baubiene – errichtet mit körpereigenem Wachs die Waben
- ab Tag ~19–21: Wächterin – verteidigt den Stockeingang
- ab Tag ~22: Sammlerin – fliegt aus und sammelt Nektar, Pollen, Wasser und Propolis, und bestäubt nebenbei die Pflanzen
Das ist der Lebenszyklus der Arbeiterbienen. Arbeiterinnen fliegen extrem häufig aus. Die Arbeit verschleißt sie, weshalb Sommerbienen deutlich kürzer leben als Winterbienen, die sich hauptsächlich im Bienenstock aufhalten.

Wie kommunizieren Bienen?
Bienen haben ein vielseitiges Kommunikationssystem, welches aus Bewegung, Duft und Berührung basiert. Das ist wichtig, da es im Bienenstock komplett finster ist. Die Bienen verlassen sich also auf Tasten, chemische Signale und Vibrationen. Erfahre nachstehend mehr zur Kommunikation im Bienenvolk.
Der Schwänzeltanz
Hat eine Sammlerin eine ergiebige Futterquelle entdeckt, tanzt sie im Stock auf den Waben, um den Ort preiszugeben. Je länger der Tanz dauert, desto weiter entfernt ist die Nahrungsquelle. Die Biene führt eine achtförmige Bewegung aus.
Der Rundtanz
Ist die Futterquelle näher, wechselt die Biene zum Rundtanz. Sie dreht sich abwechselnd nach links und rechts im Kreis.
Pheromone
Chemische Duftstoffe spielen eine große Rolle im Bienenstock. Es gibt drei Arten:
- Königinnenpheromone: Die Königin sondert kontinuierlich ein Duftstoffgemisch (Königinnensubstanz) ab. So hält sie das Volk zusammen und lässt die Bienen wissen, dass sie gesund ist.
- Alarmpheromone: Bei Gefahr setzen Bienen Alarmstoffe ab. Diese lassen die anderen Bienen sofort in Alarmbereitschaft versetzen.
- Orientierungspheromone: Bienen setzen Duftstoffe frei, die anderen den Weg zum Stock, zur Königin oder zu Wasserquellen zeigen.
So entsteht der Honig
Honig ist mehr als nur ein süßes Nebenprodukt – er ist die Überlebensgrundlage des Bienenvolkes für die kalte Jahreszeit. Seine Entstehung ist ein faszinierendes Zusammenspiel vieler Arbeiterinnen, das mehrere Tage in Anspruch nimmt.
Alles beginnt bei den Sammlerinnen, die während der sogenannten Trachtzeit – von Frühling bis Herbst, wenn genügend Blüten Nektar liefern – ausschwärmen. Mit ihrem Rüssel saugen sie den zuckerhaltigen Nektar auf und speichern ihn zwischenzeitlich in ihrem Honigmagen. Schon auf dem Rückflug setzt die Biene dem Nektar erste körpereigene Enzyme aus ihren Speicheldrüsen zu.
Zurück im Stock übergibt die Sammlerin ihre Fracht mund-zu-mund an Stockbienen, die den Nektar bis zu 200 Mal aufnehmen und wieder abgeben. Bei jedem Durchgang kommen weitere Enzyme hinzu, allen voran Invertase, die den Rohrzucker in die Einfachzucker Traubenzucker und Fruchtzucker spaltet – dazu Glucose-Oxidase, die den Honig durch entstehendes Wasserstoffperoxid keimhemmend und haltbar macht.
Der noch flüssige, wasserreiche Nektar wird anschließend in offene Wabenzellen gefüllt. Durch beharrliches Fächeln mit ihren Flügeln erzeugen die Bienen einen Luftstrom, der den Wassergehalt von rund 70 Prozent auf unter 18 Prozent senkt. Erst bei diesem niedrigen Wasseranteil ist der Honig dauerhaft haltbar. Ist die richtige Konsistenz erreicht, verschließen die Bienen die Zelle mit einem hauchdünnen Wachsdeckel – der Honig ist reif.
Diese aufwendige Prozesskette dauert insgesamt vier bis zehn Tage und zeigt eindrucksvoll, wie eng Arbeitsteilung, Chemie und Instinkt im Bienenvolk zusammenspielen, um aus einem simplen Blütensaft ein hochkonzentriertes, jahrelang haltbares Lebensmittel zu machen.

Herausforderungen und Bedrohungen
Das Bienensterben ist ein vielschichtiges Problem – meist wirken mehrere Faktoren gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig. Hier die größten Bedrohungen:
- Varroamilbe: Aus Asien eingeschleppter Parasit, gilt als Hauptursache für den weltweiten Rückgang der Honigbienen. Schwächt Bienen und überträgt Viren – ohne imkerliche Behandlung sterben ganze Völker.
- Pestizide: Vor allem Neonicotinoide schädigen das Nervensystem der Bienen und stören ihre Orientierung.
- Lebensraumverlust & Monokulturen: Weniger blühende Wiesen, Hecken und Wildpflanzen durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung schränken Nahrung und Nistplätze ein.
- Klimawandel: Verschobene Blütezeiten passen nicht mehr zur Flugzeit der Bienen, mildere Winter begünstigen zudem die Varroamilbe.
- Wildbienen besonders gefährdet: In Deutschland sind 31 von 550 Wildbienenarten akut vom Aussterben bedroht.
Warum sind Bienenvölker wichtig?
Bienenvölker sind für das Funktionieren ganzer Ökosysteme unverzichtbar. In gemäßigten Breiten sind rund 78–80 Prozent aller Blütenpflanzen auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, wobei Honigbienen einen bedeutenden Anteil davon übernehmen
Von den weltweit 109 wichtigsten Nutzpflanzenarten sind rund 80 Prozent vollständig auf tierische Bestäuber angewiesen – darunter wirtschaftlich bedeutende Kulturen wie Apfel, Erdbeere, Mandel, Tomate und Melone. Konkrete Zahlen verdeutlichen das Ausmaß: Eine Apfelernte ohne Bienenbesuch würde etwa 60 Prozent weniger Ertrag bringen, bei Birnen sogar bis zu 90 Prozent weniger.
Der ökonomische Wert der Bestäubungsleistung ist gewaltig: Für Österreich wird er auf rund 870 Millionen Euro pro Jahr geschätzt, weltweit auf bis zu 153 Milliarden Euro jährlich. Neben Rind und Schwein zählt die Biene deshalb zu den drei wichtigsten Nutztieren überhaupt.
Fazit
Bienenvölker sind weit mehr als Honigproduzenten – sie sind ein zentraler Baustein für Biodiversität, Nahrungssicherheit und Landwirtschaft. Ihr Rückgang hätte spürbare Folgen für Natur und Wirtschaft gleichermaßen, was den Schutz von Honig- und Wildbienen zu einer Aufgabe macht, die uns alle betrifft.
Wovon ernähren sich Bienen?
- Nektar: Süßer, energiereicher Blütensaft – liefert Kraft für Flug und tägliche Aktivitäten, ein Teil wird als Honig für den Winter eingelagert.
- Pollen: Blütenstaub als Eiweiß-, Fett- und Vitaminquelle, wird im Stock zu haltbarem Bienenbrot fermentiert.
- Gelée Royale: Spezialfuttersaft der Ammenbienen – alle Larven bekommen ihn drei Tage lang, die Königin ihr Leben lang, was sie größer, fruchtbarer und langlebiger macht.
- Wasser: Für alle lebenswichtigen Funktionen unverzichtbar.
Wie viele Tage lebt eine Biene?
Die Lebensdauer einer Biene hängt von ihrer Aufgabe im Volk und der Jahreszeit ab. Sommerbienen leben nur 4-6 Wochen, Winterbienen hingegen 4-8 Monate. Die Königin wird zwischen 2 und 5 Jahre alt.
Können männliche Bienen stechen?
Nein, Drohnen können nicht stechen.
Ist Honig die Kotze von den Bienen?
Nein, nicht im eigentlichen Sinne. Der Nektar landet nicht im Verdauungsmagen, sondern im Honigmagen. Dieser hat keine Verdauungsfunktion und dient nur als Transportbehälter. Bei der Übergabe zwischen Bienen (Trophallaxis) würgt die Sammlerin den Nektar zwar aus dem Honigmagen wieder hoch und gibt ihn an eine Stockbiene weiter – rein technisch also eine Art Regurgitation. Das ist aber ein kontrollierter, natürlicher Vorgang zur Weiterverarbeitung, kein Erbrechen im medizinischen Sinne.
Was passiert in einem Bienenstock, wenn die Königin stirbt?
Es kommt darauf an, ob noch Nachzucht vorhanden ist oder nicht. Wenn eine Bienenkönigin plötzlich stirbt, gerät zunächst das gesamte soziale Gefüge des Volkes aus dem Gleichgewicht – denn ihr fehlendes Pheromon (der Weiselstoff), das normalerweise das Volk zusammenhält, verschwindet innerhalb kurzer Zeit. Das Volk registriert diesen Verlust und reagiert mit einem Notprogramm.
- Ist noch junge Brut vorhanden (Nachschaffung): Arbeiterinnen wählen junge Larven aus, füttern sie mit Gelée Royale und ziehen daraus in etwa 16 Tagen eine neue Königin heran, die sich anschließend auf ihrem Hochzeitsflug begatten lässt.
- Keine junge Brut mehr vorhanden („hoffnungslos weisellos“): Einzelne Arbeiterinnen werden zu sogenannten Drohnenmütterchen und legen unbefruchtete Eier, aus denen nur Drohnen schlüpfen – das Volk stirbt ohne neue Königin bald aus.
- Nachschaffungskönigin gilt als „minderwertiger“: Sie entsteht unter Zeitdruck aus eigentlich für Arbeiterinnen bestimmten Zellen, im Gegensatz zu einer geplanten Schwarmkönigin.
Was passiert, wenn man Bienen den Honig nicht wegnimmt?
Es ist für das Bienenvolk nicht immer gut, wenn man so viel Honig im Stock lässt:
- Mehr Schwärmen: Ohne Honigentnahme wächst das Volk stärker und neigt viel eher zum Schwärmen, weil weniger Platz für Brut bleibt.
- Risiko beim Überwintern: Besonders bei Waldhonig (mehr Ballaststoffe) kann es im Winter zu Verunreinigung des Stocks und zur Ruhr-Erkrankung kommen, da kein Reinigungsflug möglich ist.
- Honig kann verderben: Ungeernteter Honig zieht Feuchtigkeit und Schädlinge wie Ameisen oder Wespen an.
- Überschuss gehört eigentlich dem Volk: Er dient normalerweise als Starthilfe für abziehende Schwärme – Imker entnehmen daher meist nur den tatsächlichen Überschuss.






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