Ein Rabe und eine Krähe auf einem Ast eines Eichelbaumes.

Auf den ersten Blick sehen Rabe und Krähe genau gleich aus. Erst beim zweiten Blick erkennt man die Unterschiede zwischen Krähe und Rabe. Wir erklären sie dir, vom Aussehen und Körperbau bis hin zu Ernährung und Fortpflanzung.

Aussehen und Körperbau

Sowohl Rabe als auch Krähe gehören zu den Rabenvögeln. Arten wie der Kolkrabe gehören zu den Raben, während Dohlen, Saatkrähen oder Rabenkrähen zu den meist kleineren Krähen zählen. Sie unterscheiden sich im Aussehen und Körperbau wie folgt:

MerkmalKolkrabe (Rabe)Krähe
Schwanzkeilförmig, spitz zulaufendabgerundet, fächerförmig
Schnabelkräftig, gebogen, mit Kehlbartschlanker, gerade, glatt
Gefiedermetallisch grün blau-violetteher matt-schwarz/grau-schwarz
Körperbaumassig, breiter Nackenschlanker, kompakter

Größe

Krähen sind deutlich kleiner als Raben. Zudem haben Raben eine größere Flügelspannweite. Generell sind Größe und Spannweite die auffälligsten Unterschiede. Wusstest du, dass der Kolkrabe der größte Singvogel Europas ist? Der Kolkrabe ist fast doppelt so groß wie die Rabenkrähe.

ArtGrößeSpannweiteGewicht
Kolkrabe54-67 cm115-150 cmca. 1.000-1.500 g
Nebelkrähe48-52 cm93-104 cmca. 520-800 g
Rabenkrähe44-51 cm84-104 cmca. 400-700 g
Saatkrähe41-49 cm81-99 cmca. 320-670 g

Rufe und Lautäußerungen

Krähen klingen heißer und krächzender, während sich Raben tiefer und klangvoller äußern. Zwischen den Arten gibt es leichte Unterschiede.

ArtTypischer RufKlangcharakter
Kolkrabe“Kroaar”, “Korr”tief, gurgelnd, vibrierend
Rabenkrähe“Krääh”, “Kräh, Kräh”hart, rau, krächzend
Saatkrähe“Krra”, “Korr”heiser, nasal, geselliger
Ein Rabe im Wald auf einem  Ast.
Ein Rabe. | Foto: tierweltmagazin.com | KI

Flugbild und Verhalten

Krähe und Rabe kann man gut anhand vom Flugbild unterscheiden. Der Rabe fliegt deutlich höher in der Luft als die Krähe, und wirkt mit seinem spitz zulaufenden Schwanz und dem gestreckten Kopf fast wie ein Kreuz. Zudem bewegt er sich eleganter fort als die Krähe und erinnert an einen Mäusebussard. Der Rabe ist auch akrobatisch unterwegs, denn er beherrscht sogar Flugkunststücke wie Loopings, Schrauben oder das Fliegen auf dem Rücken.

Hinsichtlich des Sozialverhaltens sind Rabe und Krähe ebenfalls unterschiedlich. Während Raben eine lebenslange Paarbeziehung pflegen, sind Krähen deutlich geselliger. Sie leben gerne in Gruppen und vereinen sich abends oft an gemeinsamen Schlafplätzen.

Es gibt noch weitere Unterschiede:

MerkmalKolkrabe (Rabe)Krähe
Flugstilelegant, segelndzielstrebig, kräftig flatternd
Höhekreist oft hoch am Himmel20-50 m, bei Wind bodennah
Geschwindigkeitschneller Flügelschlag, weite Streckenca. 35-45 km/h

Lebensraum

Der Lebensraum der Krähe erstreckt sich über lichte Wälder, Felder, Wiesen und Kulturlandschaften. Sie hält sich auch in städtischen Gebieten wie Parks auf. Raben bevorzugen ebenfalls weite Landschaften und lichte Wälder, leben aber auch in Küstengebieten oder hoch oben in den Alpen.

Ernährung

Beim Raben ist der tierische Anteil der Nahrung deutlich höher als bei der Krähe. Kolkraben warten zum Beispiel gezielt auf die Nachgeburt oder Totgeburten von Schafen oder Kühen. Auch im Kot von Kühen finden sie wichtige Nährstoffe. Alle Rabenvögel, also auch Krähen, fressen bevorzugt, was gerade reichlich vorhanden ist. Dazu zählen auch Amphibien, Reptilien und Weichtiere. In Küstennähe sogar Fische. Krähen essen zum Ärger der Landwirte auch Saatgut.

MerkmalKolkrabe (Rabe)Saatkrähe
Ernährungstypausgeprägter Fleisch-/Aasfressereher pflanzlich betont
HauptnahrungAas, Insekten, Mäuse, Jungwild, EierSaatgut, Feldfrüchte, Mäuse, Insekten
Besonderheitwartet gezielt auf Aas/Nachgeburtgilt bei Landwirten oft als Schädling
Eine Krähe auf einem Holzzaun, im Hintergrund weitere Krähen und ein Feld
Eine Krähe. | Foto: tierweltmagazin.com | KI

Fortpflanzung

Sowohl Krähe als auch Rabe leben in monogamen Dauerehen, wobei die Krähe eher Jahresehen pflegt und sich immer neue Partner aussucht. Der Kolkrabe hingegen bleibt tatsächlich mit seiner Partnerin ein Leben lang zusammen. Der Rabe baut sein Nest bereits im Jänner/Februar. Sein Nest ist ein großer Horst, der aus Zweigen, Lehm und Moos besteht. Den Horst findet man zum Beispiel in Felsnischen oder hoch oben in den Bäumen. Er wird jährlich wiederverwendet. Krähen benutzen ihr Nest hingegen nur einmal. 

Beim Kolkraben dauert die Nestlingszeit rund 40 Tage. Danach bleibt die Familie noch bis in den Herbst zusammen. Die Jungtiere werden erst mit etwa drei Jahren geschlechtsreif. Bei der Rabenkrähe werden die Jungen bereits nach 28–38 Tagen flügge, bleiben aber noch weitere 4–5 Wochen von den Eltern abhängig.

Noch mehr Unterschiede zwischen Krähe und Rabe findest du hier:

MerkmalKolkrabeSaatkrähe
Partnerbindunglebenslange Dauereheeher Jahresehe
BalzbeginnJanuar (Spätwinter)ab Februar
EiablageEnde Februar bis MärzEnde Februar bis Mai
Gelegegröße3-6 Eier2-6 Eier
Brutdauerca. 20-21 Tageca. 20 Tage
Nestlingszeitca. 40 Tageca. 38-48 Tage

Fazit

Was auf den ersten Blick wie ein und derselbe schwarze Vogel wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als zwei faszinierend unterschiedliche Charaktere: der elegante, treue Einzelgänger Rabe und die gesellige, anpassungsfähige Krähe. Ob Größe, Flugkünste oder Liebesleben – beide Rabenvögel haben ihre ganz eigene Persönlichkeit entwickelt, die ihnen in ihrem jeweiligen Lebensraum zugutekommt. Wenn du beim nächsten Spaziergang genauer hinschaust, kannst du  jetzt anhand von Schwanzform, Ruf und Flugbild leicht erkennen, wer da über dir kreist – Rabe oder Krähe. 

Wie heißt die weibliche Form von Rabe?

Es gibt im Deutschen keine weibliche Form. Man sagt einfach “der Rabe” und meint dies geschlechtsneutral.

Wie unterscheide ich Rabe und Krähe? 

Am einfachsten unterscheiden sich Rabe und Krähe hinsichtlich Körperform. Der Rabe fliegt höher und sieht von unten aus wie ein Kreuz – dank des spitz zulaufenden Schwanzes. Die Krähe hingegen hat einen fächerförmigen Schwanz und ist kleiner als der stattliche Rabe. Letzterer erinnert außerdem an einen Mäusebussard.

Warum schreien Krähen so?

Das lautstarke Krächzen ist ein wichtiges Kommunikationsmittel der Krähen und hat mehrere Gründe. Es dient zum Beispiel zur Warnung von Feinden oder der Reviermarkierung und Verteidigung. Krähen sind nämlich sehr territorial und dulden es nicht, wenn andere Krähen in ihr Revier eindringen. Krähen leben in Gruppen und tauschen sich ständig aus – über Rangordnung, Gefahren oder Nahrungsquellen. Besonders in der Abenddämmerung, wenn sie sich zu großen Schlafgemeinschaften versammeln, ist das Krächzen Teil ihrer normalen Verständigung untereinander. 

Trauern Krähen beim Tod einer anderen Krähe?

Nein, Krähen trauern nicht, obwohl es so wirken kann, wenn sich rund um die tote Krähe weitere Krähen versammeln. Das dient nicht der Trauer, sondern um die Situation zu analysieren und zu lernen. Sie untersuchen, wie der Artgenosse zu Tode kam. Die Krähen merken sich außerdem Menschen, die mit dem Tod der Krähe in Verbindung stehen.

Warum versammeln sich Krähen abends?

Ganz einfach: um sich auszutauschen. Das Krähen ist Teil der normalen Verständigung.

Wie schlau sind Krähen?

Krähen sind unglaublich schlau. Sie können sich zum Beispiel Gesichter merken und ob derjenige gut oder schlecht zu ihnen war. Dieses Wissen geben sie sogar ihrem Nachwuchs weiter. Zudem benutzen sie zielgerichtet Werkzeuge. Diese bauen sie zum Teil sogar selbst. Außerdem werfen Krähen zum Beispiel Nüsse auf die Straße, die dann von vorbeifahrenden Autos geknackt werden.

Wie alt kann eine Krähe werden?

Die Saatkrähe wird bis zu 20 Jahre alt, der Kolkrabe zwischen 21-23 Jahre.

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