Hasen und Kaninchen werden häufig verwechselt, sind biologisch aber in völlig verschiedenen Welten zu Hause. Zwar zählen sowohl der Hase als auch das Kaninchen zu den Hasenartigen, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. Erfahre in unserem Beitrag die Unterschiede zwischen Hase und Kaninchen.
Körperbau und Aussehen
Das offensichtlichste: Der Feldhase ist wesentlich größer als das Wildkaninchen und deutlich schlanker gebaut. Kaninchen sind kompakter, kleiner und stämmiger. Ebenfalls markant unterschiedlich: die Ohren. Der Hase hat deutlich größere Ohren als das Kaninchen. Die Hinterbeine des Hasen sind ebenfalls länger und kräftiger. Das ist wichtig, denn so kann er schnell Feinden entkommen und seine berühmten Haken schlagen. Das Kaninchen hingegen ist kein Langstreckenläufer, sondern eher ein Sprinter. Es läuft bis zum nächsten Baueingang.
Hasen haben auch eine andere Fellstruktur als das Kaninchen, welches für sein weiches Fell bekannt ist. Ein Merkmal, das man den Tieren äußerlich nicht ansieht, aber biologisch besonders spannend ist: Hasen besitzen 48 Chromosomen, Kaninchen dagegen nur 44. Deshalb können Hase und Kaninchen trotz naher Verwandtschaft nicht miteinander gekreuzt werden.
Verhalten und Lebensraum
Auch im Verhalten unterscheiden sich Hasen und Kaninchen:
- Sozialverhalten: Hasen sind Einzelgänger, Kaninchen leben gesellig in Gruppen bzw. Familienverbänden.
- Lebensraum: Hasen leben im freien Feld und verstecken sich in flachen Bodensenken, hinter großen Gräsern, Hecken oder Büschen. Kaninchen hingegen graben tiefe, unterirdische Baue mit Tunnelsystemen.
- Fluchtverhalten: Hasen flüchten mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 80 km/h) und Haken, Kaninchen sprinten kurz zum nächsten Baueingang.
- Aktivität: Beide sind vor allem nacht- und dämmerungsaktiv.
Nachwuchs
Das Thema Nachwuchs wird von Hase und Kaninchen unterschiedlich begangen. Ganz wichtig bei Hasen: Findest du Hasenjungen im Freien, gilt es, sie nicht anzufassen, da die Mutter sie ansonsten verstoßen könnte.
Hase
- Trächtigkeit: beträgt ca. 42 Tage
- Wurfgröße: 2-3 Junghasen, selten bis zu 5
- Entwicklung: Junghasen kommen als Nestflüchter bereits mit Fell und geöffneten Augen zur Welt.
- Aufzucht: Die Mutter lässt die Jungen den Tag über allein und kommt nur kurz zum Säugen vorbei, um Feinde nicht anzulocken.
Kaninchen
- Trächtigkeit: ca. 28-33 Tage
- Wurfgröße: im Schnitt 5-6 Jungkaninchen
- Entwicklung: Die Babys kommen blind und nackt zur Welt, sind also zu Beginn hilflos.
- Aufzucht: Das Kaninchen säugt die Jungen nur 1-2 Mal am Tag. Es ist also normal, wenn man das Weibchen selten am Nest sieht.

Ernährung
Grundsätzlich fressen Feldhase und Wildkaninchen das Gleiche. Es unterscheidet sich nur im Suchradius. Während der Hase weite Strecken läuft, um die besten Pflanzen zu finden, müssen sich die standorttreuen Kaninchen mit dem abgeben, was in der Nähe des Baues wächst.
Das fressen Hasen und Kaninchen:
- Frühling und Sommer: hauptsächlich saftige Gräser und Kräuter wie der Löwenzahn
- Herbst: Feldfrüchte und Ernterückstände, Gräser und Kräuter die noch übrig sind, Fallobst, Rinde und Knospen sowie Wurzeln und Samen
- Winter: Rinde und Zweige, Getreidereste und Wintersaat, trockenes Gras und Kräuter unterhalb der Schneedecke, Rüben und Wurzelgemüse, das bei der Ernte liegen geblieben ist.
Während Hasen auch die harte Kost genießen, sind Kaninchen die weicheren Pflanzenteile lieber.

Warum Hasen nie zum Haustier werden
Der Hase ist Wildtier durch und durch. In einem Käfig wird er nicht glücklich. Echte Feldhasen gibt es nie in Gefangenschaft oder als Haustiere. Die umgangssprachlichen Stallhasen sind nichts anderes als große Kaninchen, die vom Wildkaninchen abstammen.
- Reines Wildtier: Hasen wurden nie domestiziert – wer „Hase“ als Haustier meint, spricht meist eigentlich vom Kaninchen.
- Wesen ungeeignet für Haltung: Hohe Fluchtdistanz und starke Stressanfälligkeit machen eine Haltung in Gefangenschaft praktisch unmöglich.
- Genetisch getrennt: Unterschiedliche Chromosomenzahl (48 vs. 44) verhindert eine Kreuzung mit Kaninchen.
- Geschützte Art: Der Feldhase steht in Deutschland auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
Hase und Kaninchen als Haustier
Wie bereits erklärt, kann man einen Feldhasen nicht als Haustier halten. Das Kaninchen, welches vom Wildkaninchen abstammt, hingegen schon. Es lässt sich theoretisch sogar mit echten Wildkaninchen kreuzen.
- Nie allein halten: Kaninchen sind Gruppentiere und brauchen mindestens einen Artgenossen – in Österreich und der Schweiz sogar gesetzlich vorgeschrieben.
- Platzbedarf: Mindestens 6–10 m² rund um die Uhr für ein Pärchen, plus täglicher Auslauf.
- Ernährung: Hauptsächlich Heu (immer verfügbar), täglich frisches Gemüse, Obst nur gelegentlich.
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre – kleinere Rassen leben oft länger als Riesenrassen.
- Kosten: Rund 200–250 € für ein sicheres Gehege, plus ca. 1 €/Tier/Tag für Futter
Fazit
Auch wenn Hase und Kaninchen auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich aussehen, zeigt sich bei genauerem Hinsehen: Es handelt sich um zwei eigenständige Arten mit ganz unterschiedlichem Körperbau, Sozialverhalten und Lebensraum – ein Unterschied, der sogar bis auf die Chromosomenebene reicht. Während der Feldhase als Einzelgänger und Langstreckenläufer im freien Feld zu Hause bleibt und ein Wildtier durch und durch ist, hat sich das Kaninchen zum geselligen und beliebten Haustier entwickelt, das bei artgerechter Haltung viele Jahre Freude bereitet. Wer künftig von einem „Hasen“ im Stall oder Kaninchenstall spricht, weiß jetzt: Gemeint ist damit fast immer ein Kaninchen – der echte Feldhase bleibt der Natur vorbehalten.
Wie alt werden Hasen?
Hasen werden durchschnittlich 3-5 Jahre alt. Über 60 % sterben im ersten Lebensjahr.
Wie alt werden Kaninchen?
Wildkaninchen werden im Durchschnitt nur 1-2 Jahre alt. Unter optimalen Bedingungen in Gefangenschaft werden sie hingegen 8-12 Jahre.
Was bedeutet Caecotrophie?
Da die pflanzliche Kost von Hase und Kaninchen schwer verdaulich ist, produzieren sie im Blinddarm einen weicheren, vitaminreicheren Kot, den sie direkt nach der Ausscheidung noch einmal aufnehmen und verdauen – ein Verhalten namens Caecotrophie. So gewinnen die Tiere zusätzliche Vitamine und Nährstoffe aus ihrer Nahrung, die beim ersten Verdauungsdurchgang noch nicht vollständig aufgeschlossen werden konnten.
Sind alle Stallhasen Kaninchen?
Ja, es handelt sich dabei ausschließlich um Kaninchen. Der Feldhase ist Wildtier durch und durch.
Wie nennt man weibliche Hasen oder Kaninchen?
Sowohl beim Hasen als auch beim Kaninchen heißt das weibliche Tier Häsin. Der Rammler – bei Kaninchen auch Bock genannt – ist der männliche Gegenpart.






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