Kaum ein Tier hat einen so zwiespältigen Ruf wie die Ratte: Für die einen ein lästiger Schädling, für andere ein kluges, liebevolles Haustier. Doch was steckt wirklich hinter dem Klischee vom „dreckigen Nager“? In diesem Beitrag räumen wir mit Vorurteilen auf und zeigen dir, wie schlau, sozial und vielseitig Ratten tatsächlich sind.
Wanderratte vs. Hausratte: Was ist der Unterschied?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Größe: die Wanderratte ist größer und stämmiger als die Hausratte. Zudem hat sie eine stumpfe Schnauze. Auch der Kot unterscheidet sich. Hausratten lassen Kot mit 1 cm Größe, während der Kot bei Wanderratten 2 cm misst.
Bei der Hausratte ist der Schwanz länger als der Körper, bei der Wanderratte hingegen fast so lang wie der Körper. Letztere hält sich überwiegend draußen auf, während die Hausratte Innenbereiche, insbesondere Dachböden, vorzieht. Die Wanderratte ist ein hervorragender Schwimmer, die Hausratte klettert dafür exzellent. Während sich die Hausratte überwiegend vegetarisch ernährt, frisst die Wanderratte auch Fleisch.
Beide Rattenarten werden häufig als Schädlinge betrachtet.
Herkunft und Verbreitung
Ratten kommen ursprünglich aus Asien. Mit Hilfe der Menschen haben sie sich auf der ganzen Welt ausgebreitet, etwa als blinder Passagier auf Schiffen. Generell folgen sie dem Menschen, da sie dort leichter Nahrung finden. Im 20. Jahrhundert begann man Ratten als Haustiere zu züchten.
Sozialverhalten und Intelligenz
Ratten gehören zu den intelligentesten Nagetieren überhaupt – ihre Lernfähigkeit wird in der Verhaltensforschung häufig sogar mit der von Hunden verglichen. Sie leben in festen sozialen Gruppen mit ausgeprägter Hierarchie und pflegen engen Körperkontakt: Gemeinsames Kuscheln, gegenseitiges Fellputzen und gemeinsames Erkunden der Umgebung gehören zum Alltag.
Studien deuten sogar darauf hin, dass Ratten Empathie zeigen können – sie befreien beispielsweise Artgenossen aus misslichen Lagen, auch wenn sie selbst keinen direkten Vorteil davon haben. Zudem lachen Ratten nachweislich beim Spielen, was sich als hochfrequentes, für Menschen unhörbares Zwitschern äußert. Wer eine Ratte als Haustier hält, sollte sie daher niemals allein halten – als hoch soziale Tiere brauchen sie zwingend Artgenossen, um sich wohlzufühlen.
Fortpflanzung und Lebenserwartung
Ratten sind bereits mit sechs Wochen geschlechtsreif. Die weibliche Ratte trägt ihre Jungen etwa 20-23 Tage im Körper. Wirft sie, kann sie wenige Tage später direkt wieder trächtig werden. Da Rattenweibchen ca. 6-12 Junge bekommen, entstehen riesige Rattenpopulationen.
Die Lebenserwartung von Ratten ist gering. Sie beträgt nur wenige Monate bis ein Jahr bei Wanderratten. Hausratten können auch 2-3 Jahre alt werden. Das sollte man bedenken, wenn man Ratten als Haustiere halten möchte.
Ratten als Haustiere
Wusstest du, dass alle gezüchteten Ratten, sei es Farb- oder Hausratte, von der Wanderratte abstammen? Farbratten sind tolle Haustiere, haben aber komplexe Bedürfnisse. Sie sind äußerst intelligent und binden sich eng an ihre Besitzer. Da sie hochsozial sind, dürfen die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere nie alleine gehalten werden.
Der Käfig sollte großzügig ausfallen. Laut oesterreich.gv.at muss die Käfiggröße pro Paar mindestens 80 x 40 x 50 (Länge x Breite x Höhe) betragen. Für jedes weitere ausgewachsene Tier sind 20 % der Bodenfläche hinzuzurechnen. Zudem ist es ratsam, mehrere Ebenen zu haben, um das natürliche Kletterbedürfnis der Ratten zu erfüllen.
Folgende Dinge gehören in den Rattenkäfig:
- mindestens ein Schlafhäuschen pro Tier
- Klettermaterial wie Seile, Leitern, Äste oder Röhren
- saubere Einstreu (kein Zedern- oder Fichtenholz)
- Buddelecke mit tieferer Einstreu zum Graben
- Futter- und Wassernapf sowie Nippeltränke
- Toilettenecke mit Rattentoilette
- Nagematerial
Ratten spielen gerne mit ihrem Menschen. Da sie empfindlich sind, sind sie jedoch nicht für Kinder unter 10 Jahren geeignet.

Ratten in der Wildnis
Wanderratten sind in Städten allgegenwärtig, denn sie profitieren ideal von den Bedingungen, die wir Menschen bieten: reichlich Nahrung durch Abfälle, warme Verstecke in Kanalisation und Kellern sowie kaum natürliche Feinde.
Besonders in dicht besiedelten Gebieten mit offen zugänglichem Müll oder Essensresten vermehren sich Rattenpopulationen entsprechend schnell. Städte reagieren darauf zunehmend mit besserem Abfallmanagement und geschlossenen Mülltonnen, um das Nahrungsangebot für die Tiere zu reduzieren. Am Ende zeigt das Ratten-Thema in der Stadt vor allem eins: Wo Menschen leben, folgt oft auch die Ratte – nicht aus Bosheit, sondern aus reiner Anpassungsfähigkeit.
Sind Ratten für Anfänger geeignet?
Ja, Ratten sind auch gut für Anfänger geeignet. Sie sind unkompliziert in der Pflege sowie zutraulich und lernfähig. Beachte, dass du mindestens zwei Ratten halten musst. Mit nur 2–3 Jahren Lebenserwartung ist der Abschied vergleichsweise schnell da – das sollte man emotional einplanen.
Werden Ratten handzahm?
Ja, Ratten werden handzahm. Sie merken schnell, dass von uns Menschen keine Gefahr ausgeht. Wichtig ist, dass sie schon als Jungtiere an die Menschenhand gewöhnt werden.
Welchen Geruch mögen Ratten nicht?
Ratten mögen den Geruch von Kaffeesatz und Pfefferminze nicht. Generell vermeiden sie scharfe Gerüche, aber auch ätherische Öle. Falls du Ratten vertreiben möchtest, kannst du es also auch mit Lavendelöl, Chili oder Pfeffer versuchen.
Wie kann ich einem Rattenbefall vorbeugen?
Um Rattenbefall rund ums Haus vorzubeugen, solltest du vor allem eines im Blick behalten: Nahrungsquellen und Zugänge. Mülltonnen, Komposterde und Tierfutter – auch Hühnerfutter – gehören immer gut verschlossen und nicht offen zugänglich gelagert. Ebenso wichtig ist es, mögliche Schlupflöcher an Gebäuden, Ställen oder Schuppen abzudichten, denn schon kleine Ritzen reichen Ratten als Einstieg. Das betrifft auch Hühnerställe.
Auch die Umgebung spielt eine Rolle: Wer Holzstapel, Gestrüpp und Unordnung in Hausnähe vermeidet, nimmt den Tieren attraktive Verstecke. Zeigen sich trotzdem erste Anzeichen wie Kotspuren oder Nageschäden, solltest du schnell handeln – bei stärkerem Befall empfiehlt sich professionelle Hilfe statt Gift in Eigenregie, das auch für Haustiere und Wildtiere zur Gefahr werden kann.






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